Interview | Die Künstlerbücher von Joachim Hohensinn

Zum Malen verwende ich Acylfarbe, Tusche, Aquarell, … Damit die Farbe auf den Buchseiten schneller trocknet brauche ich einen Fön. Oft geht es bei mir im Atelier zu wie in einem Frisiersalon.

Ich treffe den Maler und Musiker Joachim Hohensinn (*1957) an einem sonnigen Tag in seinem Atelier in Wien. Nachdem er mir seine wunderbaren Künstlerbücher gezeigt hat, geht es auf ein Schnittlauchbrot in die Bunkerei im Augarten, wo wir über seine Künstlerbuchunikate, seine kommende Ausstellung und gute Musik reden.

Wo konnte man schon deine Bücher bewundern bzw. was sind deine nächsten Projekte?

Meine Bücher waren zuletzt in der Galerie Ortner2 (1010 Wien) und der Galerie ZS Art (1070 Wien) in einer Gruppenausstellung zu sehen. Im Herbst gehe ich wieder einige Zeit nach Gran Canaria, wo ich auch meine nächste Ausstellung haben werde. Der Veranstaltungsort ist ein wunderbares altes Gebäude; 1844 als Literarisches Kabinett gegründet, mit dem Ziel, Kunst und Kultur zu fördern. Und wie es der Zufall so will, habe ich dort zwei besondere Menschen kennengelernt, die seit 50 Jahren Mitglieder des Kabinetts sind und die sehr an meinen Büchern interessiert sind. So kam es, dass ich dazu eingeladen wurde, dort meine Bücher auszustellen.

Wie viele Künstlerbücher wird man dort von dir sehen?

Ich habe vor, zehn bis 15 Künstlerbücher und Buchobjekte auszustellen. Nach der Ausstellung werde ich wieder neue Bücher produzieren. Zurzeit arbeite ich auch wieder an neuen Unikaten; mal sehen. Für mich ist es auch schön, in diesem wunderbaren Literaturkabinett meine Bücher ausstellen zu können. Dort werde ich auch schon freudig erwartet. Die Leute dort waren sehr fasziniert von meinen Arbeiten und haben mich gefragt, warum Künstlerbücher nicht viel bekannter sind. Häufig zu hören war: Ein Bild hängt man auf, aber ein Buch steht da und man sieht erst mal nichts. Eine Dame meinte dann: Naja, aber ein Buch kann man aber wenigstens mitnehmen, ausführlich darin blättern und es anderen zeigen.

Wie sieht deine Antwort aus, wenn dich jemand fragt, was denn ein Künstlerbuch ist? Viele Menschen glauben ja im ersten Moment, dass es sich um ein Buch über Kunst handelt. Es gibt außerdem etliche Definitionen.

Bei meinen Künstlerbüchern handelt es sich um Unikate. Es gibt keine limitierten Drucke. Daher ist jedes davon ein eigenständiges Kunstwerk in Buchform; ein Objekt, das Geschichten erzählt. Als Künstler erzähle ich die Geschichten mittels Malerei oder Zeichnung, wie in meinem Künstlerbuch Short Stories (2012). Meine größte Inspiration ist die Musik, und dies wird dann wieder in meiner Malerei sichtbar.

Wie bist du eigentlich zur Kunst gekommen?

Was die Kunst betrifft, bin ich Autodidakt und über die Musik zur bildenden Kunst gekommen. Ich arbeite seit 13 Jahren als freischaffender Künstler. Gemalt habe ich zwar schon immer, aber ich wollte ursprünglich Musiker werden. Ich habe damals auch alles dafür getan, – so wie jetzt für die Malerei.

Aber Musiker bist du trotzdem noch?

JA. Ich bestehe durch und durch aus Musik.

Was für ein Instrument spielst du?

Saxophon, Schlagzeug und Percussion.

Musikrichtung?

Aufgewachsen bin ich mit 70er-Jahre Musik. Leider war ich nicht bei den Hippies dabei, oder Gottseidank [lacht]. Die Frage damals war immer Beatles oder Stones. Ich habe immer Hendrix gesagt. Der war für mich der Größte. Dann hatte ich das große Glück, dass mich ein Freund zum Jazzheurigen mitgenommen hat. Die haben dort verdammt gute Musik gespielt. So bin ich in die ganzen Jazzlokale gekommen; und ich liebe auch Free Jazz.

Die Künstlerbücher, denen ich einen bestimmten Titel gebe – wie Out of the Rim oder A Love Supreme – sollen auch eine Art Verehrung für die Musik sein, die ich gerne höre. Ich bin mit Musik aufgewachsen und war auch immer ein Grenzgänger; weg vom Üben, den Noten und dem Lernen von Liedern. Ich habe jahrelang in einem Proberaum gelebt, wo ich mit dem Saxophon wochenlang an ein paar Tönen herumexperimentiert habe. Über den Ton habe ich alles erfahren wollen. So war es auch in der Malerei; ich habe mich eine Zeit lang nur mit monochromer Malerei beschäftigt. Rothko war mein Gott, aber auch Ad Reinhardt und Josef Albers. Da hat sich eine Welt für mich aufgetan.

Im Moment verwendest du ja ausschließlich „fertige“ Bücher. Kannst du dir auch vorstellen, auf losen Blättern zu malen, die du dann im Nachhinein binden lässt?

Kann ich mir auch vorstellen.

Oder anders gefragt: Warum arbeitest du mit fertig gebunden, leeren Büchern?

In einem gebundenen Buch ist eine eigene Spannung, die mich reizt, weil man keine Seite herausnehmen kann.

Aber sind das ganz spezielle Bücher?

Wenn ich ein Buch kaufen will, bin oft ich stundenlang unterwegs und erforsche jedes Blatt. Die neuesten Bücher habe ich beispielsweise beim Boesner gekauft. Später einmal möchte ich mir die Bücher aber vom Stefan [Ortbauer] oder Beatrix Mapalagama binden lassen, oder sie selbst binden. Am liebsten würde ich, vom Papier angefangen, alles selber machen können.

Folgst du einem bestimmten Arbeitsprozess?

Entweder arbeite ich mit einem bestimmten Konzept oder das Konzept ist, dass ich keines habe. Das Künstlerbuch Timeless (2012) beispielsweise ist so entstanden. Seite für Seite hat sich einfach so ergeben. Das Buch Love Supreme (2012) hingegen habe ich begleitend zu der Musik von John Coltrane gemacht. Da ließ ich mich dann ganz von der Musik inspirieren. Einige Bücher gehen schneller, einige brauchen mehr Zeit. Im Durchschnitt arbeite ich ein bis zwei Monate an einem Buch. Zum Malen verwende ich Acrylfarbe, Tusche, Aquarell … Damit die Farbe auf den Buchseiten schneller trocknet brauche ich einen Fön. Oft geht es bei mir im Atelier zu wie in einem Frisiersalon [lacht].

Danke für das nette Gespräch.

++ Im September werde ich das tolle Künstlerbuch A Love Supreme vorstellen. Ihr könnt gespannt sein. ++

++ Mehr Infos zu Joachim Hohensinn gibt es auf seiner Webseite ++

Interview und Fotos | Marlene Obermayer

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