Was ist ein Künstlerbuch? Teil 4/4

Die Tendenz der 1960er-Jahre, die Sprache auch als Werkzeug des Künstlers zu benutzen führte soweit, dass die Manifeste, Zeitschriften und Bücher nicht nur mehr als Informationsträger fungierten, sondern auch als künstlerisches Instrument eingesetzt wurden. Da das Buch die „Idee als reine Information“ transportiert, wird es zugleich zum künstlerischen Medium, das die Urteile und Positionen nicht nur publiziert, sondern auch reflektiert und realisiert.

Clive Phillpot, Diagram, Artforum, Nr. 9, 1982.

Wie die Grafik von Clive Phillpot verdeutlicht, bezeichnen „artists’ books“ Werke jeglicher Art, die im Berührungsfeld der Bereiche Kunst und Buch entstehen. An dieser Stelle muss noch einmal betont werden, dass Künstlerbücher keine verbindliche Form besitzen; zudem muss dieser Werkoberbegriff in mehrere Unterkategorien eingeteilt werden.

Es kann sich um Buchobjekte handeln, die einem skulpturalen Gebilde ähneln und die die Buchform in verschiedenen Materialien wiedergeben. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist das Objektbuch von Marcel Broodthaers. Es besteht aus eingegipsten Exemplaren seines Gedichtbandes Pense-Bête. Diese Metamorphose einer Skulptur wurde mit folgender Aussage von Broodthaers unterstrichen, die auf der Einladungskarte seiner ersten Ausstellung im Jahre 1964 in der Galerie St. Laurent (Brüssel) abgedruckt ist:

„Auch ich habe mich gefragt, ob ich nicht etwas verkaufen und im Leben Erfolg haben könnte. Schon die ganze Zeit bin ich zu nichts gut. Ich bin 40 Jahre alt. […]“

Marcel Broodthaers: Pense-Bête, 1964 (Foto: frieze.com)

Die interessanteste Kategorie bilden jene Künstlerbücher, die in diesem Blog vorrangig erläutert werden. Es handelt sich dabei um Publikationen, die meistens von der Allgemeinheit vernachlässigt werden, da sie sich im Gegensatz zu den aufwendig gestalteten Buchobjektmultiplen oder Malerbüchern, wie jene von Pablo Picasso oder Paul Klee, kaum von einem „normalen“ Buch unterscheiden.

Buchtipp (zu besichtigen in der Kunstbibliothek des mumok):

Renate Goldmann, u.a. (Hg.), I hate Paul Klee. Papierarbeiten und Künstlerbücher aus der Sammlung Speck [.Kat. Ausst., Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren, Düren 2011], Köln 2011. 

Ausstellungskatalog: I hate Paul Klee. Papierarbeiten und Künstlerbücher aus der Sammlung Speck, Köln 2011.

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Über Marlene Obermayer

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Ein Kommentar

  1. Ich bin ein großer Fan von Künstlerbüchern. Auf der documenta hatte die Buchhandlung König einige (sehr teure) Exemplare in den Vitrinen. Gerne hätte ich darin geblättert (es gab auch ein Skizzen- Projekt Buch von Matta-Clark) aber das geht natürlich nicht ,… seufz….

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