Was ist ein Künstlerbuch? Teil 2/4

In dem Ausstellungskatalog Artist/author. Contemporary artists‘ books von 1998 unterscheidet Clive Phillpot zwischen 13 verschiedenen Kategorien von Künstlerbüchern. Publikationsformen wie beispielsweise Zeitschriften, Sammelbände, Skizzenbücher, Fotobücher, Tagebücher, Dokumentationen oder Comics bekommen hier einen eigenen Stellenwert und zeigen das große Spektrum des Medium „Künstlerbuch“.

Für Künstler der 1960er- und 1970er-Jahre war es eine Möglichkeit, ihre Ideen einem breiteren Publikum zu präsentieren, da es im Gegensatz zu einem Originalgemälde oder einer Skulptur in einer höheren Stückzahl hergestellt werden konnte, um auch die Kosten niedriger zu halten. Viele Künstler produzierten Bücher in außergewöhnlichen Formaten und Inhalten, welche die den Vorgang des traditionellen Verlegens komplett auf den Kopf stellte. Ein Großteil dieser Bücher wurde letztlich von den Künstlern selbst produziert und herausgegeben. Eine Ausnahme bildet hier aber beispielsweise das aufwendig gestaltete Pop-Up Buch Index (book) von Andy Warhol aus dem Jahre 1967, das von Random House herausgegeben wurde.

Andy Warhol: Index (book), 1967 (Foto: Marlene Obermayer)

Ein weiteres Beispiel ist Dieter Roths Kinderbuch (1954-57), das in einer Auflage von ca. 100 Stück – davon 25 signiert und gelocht – erschienen ist (Verlag: forlag ed, Reykjavík).  Der amerikanische Künstler Ed Ruscha hat in der Zeit von 1963 bis 1978 zahlreiche Künstlerbücher im Eigenverlag produziert und herausgegeben. Sein erstes und zugleich berühmtestes Künstlerbuch Twentysix Gasoline Stations (1963) wird in diesem Blog als eigener Artikel dargelegt.

Dieter Roth: Kinderbuch, 1954-57 (Foto: Dieter-Roth-Foundation)

In den 1960er-Jahren Zeit gab es aber auch Galerien, die den Künstlern halfen, ihre Buchideen zu verwirklichen, die zugleich die Funktion eines Ausstellungskataloges hatten. Als ein frühes Beispiel für einen Ausstellungskatalog kann hier Daniel Spoerris Topographie anécdotée du hasard aus dem Jahre 1961 angeführt werden, der von der Galerie Lawrence herausgegeben wurde.

Daniel Spoerri: Topographie anécdotée* du hasard, 1961 (Foto: Marlene Obermayer)

Folgende Publikationen, die beide vom New Yorker Galeristen Seth Siegelaub herausgegeben wurden und zugleich auch die Funktion der Ausstellung übernahmen – die Rede ist hier von Lawrence Weiners Statements aus dem Jahre 1968 und Douglas Hueblers November 1968 – werden in diesem Blog unter der Kategorie Künstlerbücher genauer erläutert.

Was ist ein Künstlerbuch? Teil 3/4

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Über Marlene Obermayer

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