Künstlerbuch | Artists‘ book: Ulrich Nausner, OCR (deconstruction), 2013 in collaboration with Traumawien

Der österreichische Künstler Ulrich Nausner (*1980) setzt sich in seinem ersten Künstlerbuch OCR (deconstruction), das 2013 in einer Auflage von 30 Stück erschienen ist, mit dem Anti-Roman Die Verbesserung von Mitteleuropa von Oswald Wiener auseinander, der bereits in den 1960er-Jahren mit allen literarischen Konventionen brach. Auf Einladung des Künstlerkollektivs Traumawien nahm Nausner zu diesem Zweck das digitalisierte Faksimile des vergriffenen Romans und bearbeitete die Zeichen, indem er die Schriftgröße auf 1pt verkleinerte.

Interessant ist, dass der Künstler das digitale Faksimile wieder zurück in das analoge Buchformat transformiert, wobei er die Dekonstruktion des Romanformats ein weiteres Mal durch die Verkleinerung „formal“ dekonstruiert. Bereits auf der fünften Seite des Künstlerbuches erkennt man einzelne Zeilen, die aus der Spalte ausbrechen. Diese laut Nausner „schönen Momente“ entstehen an Stellen, an denen der OCR-Scan Probleme beim „Lesen“ hatte und wo diese Zeichen zu einem zusätzlichen Gestaltungselement werden.

Die künstlerische Bearbeitung funktioniert laut Nausner als Konzept, aber die eigentliche Gestaltung geht ohne direkte kompositorische Eingriffe vonstatten – analog zu konzeptueller Kunst. Die „Idee ist die Maschine, welche Kunst produziert“ – frei nach Sol Lewitt, nur dass die Maschine in Nausners Arbeit auch einen kompositorischen Teil übernimmt (dort, wo Fehler entstehen).

„Die „Undechiffrierbarkeit“ durch die Verkleinerung fand ich sehr passend als Analogie zu einem vergriffenen Buch: Man weiß, das Werk (bzw. der Inhalt) ist vorhanden (Cover) – man kann es aber nicht lesen. Es wird nur in seiner Struktur abgebildet (der Inhalt ist aber trotzdem tatsächlich gedruckt).“

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In his first artists‘ book OCR (deconstruction), which was published in a circulation of 30 copies, the Austrian artist Ulrich Nausner reinterprets the anti-novel Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman („The Improvement of Central Europe, a Novel”), which already in the 1960s broke with all literary conventions. Following an invitation by the artist collective Traumawien, Nausner used the digitalized version of the otherwise unobtainable novel and edited the script by minimizing the font size to 1pt.

What is particularly interesting is the fact that the artist then converted the digital version back into the analogue format of the book and so through the process of minimizing deconstructs the novel even further on a formal level. Already on the 5th page of the book, we find single lines that break out of the page layout. These “beautiful moments”, as Nausner calls them, come about where the OCR-scanner had trouble ‘reading’ the file, which then became an additional design feature. According to Nausner, the artistic design functions as a concept, the actual process of designing however takes place without direct compositorial interference by the artist – in analogy to conceptual art. “The idea becomes a machine that makes the art”, to paraphrase Sol LeWitt, whereas the machine in Nausner’s work has also got a compositorial role (in places where errors occur).

Nausner states that he found the ‚Undechiffrierbarkeit‘ (indecipherability) that came about through minimizing very fitting in analogy to a book that is out of print: You know the work (i.e. the content) is there, but you can’t read it. In Nausner’s work only the structure is visible, however the content has actually been printed.

 

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