Fotobuch | Lukas Gansterer / Clemens Wolf. Autoduck (Distanz Verlag, Berlin 2014)

„Früher, in seiner Zeit als Sprayer, gehörte er [Clemens Wolf, Anm.] in Maastricht, Niederlande zu einer Gruppe, die sich ‚The Strange Ducks’ nannte, und eines Tages zeigte er Gansterer eine Entenmaske, die er vergoldet hatte. ‚Hey lass uns doch ein Foto damit machen’, sagte der Fotograf Gansterer zum Künstler Wolf, und so ging es los mit der Serie Autoduck.“

(Christoph Amend, Autoduck – Der Anfang)

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STRANGE DUCK

Ein gut gemachtes Fotobuch braucht meiner Meinung nach keinen ausschweifenden seitenlangen Text, denn es lässt die Bilder für sich sprechen. Auf über 100 Seiten erzählt die Fotoserie AUTODUCK die Geschichte zweier Hauptprotagonisten – Clemens Wolf alias AUTODUCK vor und Lukas Gansterer hinter der Linse – die mit dem AUTO (zum Teil auch mit dem Hubschrauber) signifikante Orte in und rund um Las Vegas sowie San Francisco erkunden, kurzer Abstecher in das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Alcatraz inklusive. Zurück in Europa wird die Stadt Venedig unsicher gemacht und den Abschluss bildet eine symbolische Heimkehr in das Wiener Atelier von Clemens Wolf.

Insgesamt befinden sich in dem weißen Hardcoverbuch 67 rohe analoge Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien. Mit Ausnahme eines Helikopterfluges über Nevada, während dem Gansterer versucht, kurze Momente für die Ewigkeit einzufangen, ist nichts dem Zufall überlassen. Ganz bewusst wechselt Gansterer bereits zu Beginn des Buches immer wieder zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien. Die Hotelzimmerszenen werden in tristem Schwarz-Weiß wiedergegeben und mit einer AUTODUCK ausstaffiert, deren Kopf entweder hängt oder die einsam im Bett liegt. Hier kommen die Trostlosigkeit und die Schattenseite der sonst so bunten Glitzermetropole Las Vegas gut zur Geltung.

In einem meiner Lieblingsfotografien taucht – einmalig im Buch – ein weiterer Protagonist direkt neben der AUTODUCK auf, der als schwarzer Schatten der Ente fungiert, indem er sich in ähnliche Pose wirft. Interessanterweise entscheiden sich die beiden Künstler als Eröffnungsmoment ebenfalls für eine Abbildung, die den verzerrten Schatten der Ente zeigt.

Weiße Seiten im Buch weisen immer auf einen Ortswechsel hin. Nach Las Vegas folgen Schwarz-Weiß-Fotografien, die auf dem Gelände und in den Räumlichkeiten des ehemaligen Hochsicherheitsgefängnisses in Alcatraz entstanden sind. Obwohl die Maske immer starr bleibt und keine Mimik zeigt, lässt einen das Gefühl nicht los, dass die AUTODUCK hinter den Gefängnistüren sichtlich Spaß hat (kein Wunder, die Ente hat ja nichts zu befürchten). Auffallen ist, dass sich immer wieder bekannte Elemente aus Arbeiten von Wolf, wie etwa der Maschendrahtzaun oder goldene Gegenstände, einem roten Faden gleich durch das Buch ziehen.

Schauplatz Venedig – Wieder in Europa angekommen ändert sich spannenderweise auch die Erscheinungsform der goldenen Maske und so ist man nun im letzten Drittel der Publikation mit einer finsteren AUTODUCK konfrontiert, die auf fast allen Abbildungen mit geneigtem Kopf provokant in die Kamera blickt.

Work in Progress – Für alle die wissen wollen, wie sich die beiden Künstler die AUTODUCK der Zukunft vorstellen, sollten unbedingt einen Blick in das Buch werfen oder sich am besten gleich im nächsten Buchhandel ein eigenes Exemplar sichern. Die letzten Seiten in der Publikation verraten, dass die analoge Serie AUTODUCK keineswegs als abgeschlossen anzusehen ist. Seit 2010 sind beide Künstler mit der Maske unterwegs und wollen dieses Projekt auf unbestimmte Zeit weiterführen.

Lukas Gansterer / Clemens Wolf. AUTODUCK (Distanz Verlag, Berlin 2014)

Fotobuch | Lukas Gansterer / Clemens Wolf. Autoduck

  • Distanz Verlag, Berlin 2014
  • Gestaltung / Design | Lukas Gansterer und Clemens Wolf
  • Text | Christoph Amend
  • Sprache | Deutsch und Englisch
  • Hardcover | 24 x 32 cm, 112 Seiten (o.P.)
  • Papier | 150 g/qm ProfiBulk, 67 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien
  • Auflage | 800 Stück
  • ISBN | 978-3-95476-068-8, 29.90 €, Distanz Verlag

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Edition – Clemens Wolf war so nett und hat mir einen Einblick in die Editionsmappe gegeben, die es über den Distanz Verlag in einer Auflage von nur zehn Stück zu erwerben gibt. Darin befinden sich insgesamt zehn Werke, je drei von Gansterer und Wolf alleine und vier Gemeinschaftsarbeiten. Beispielsweise wurde auf einer Fotografie (siehe unten) von Wolf in Gold die Zahl 12 hinzugefügt. Die Zahlenabfolge 13 12 (A.C.A.B.) bedeutet übersetzt ironischerweise „All cops are bastards“ und steht somit im Dialog mit der abgebildeten Gefängniszelle.

Edition: Lukas Gansterer / Clemens Wolf. AUTODUCK

Edition | Lukas Gansterer / Clemens Wolf. Autoduck

  • 10 Mappen mit je 10 Originalarbeiten, Mixed Media
    • Clemens Wolf: Golden Duck I, Golden Duck II, Golden Duck III (Siebdruck und Sprühlack auf Papier)
    • Lukas Gansterer: Untitled Landscape I, Untitled Landscape II, Untitled Landscape III (Pigmentprint auf Canson Platin Fibre Rag)
    • Lukas Gansterer & Clemens Wolf: AUTO, DUCK, 12, $
  • Maße | 59,4 x 42 cm (Blattmaß)
  • Auflage | 10 + 1AP
  • Preis | 3.640 €, Infos Distanz Verlag 

Homepage von ++ Lukas Gansterer ++ und ++ Clemens Wolf ++

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